Die Stadt Brandenburg an der Havel

Als kreisfreie Stadt ist die Mittelstadt Brandenburg an der Havel eines der vier sogenannten Oberzentren im Bundesland Brandenburg. Die Stadt schreibt eine über 1000 Jahre alte Geschichte: Die ersten Erwähnungen gehen zurück auf das Jahr 928/929 nach Christus. Gemessen an ihrer Fläche und an der Einwohnerzahl ist sie die drittgrößte (kreisfreie) Stadt im Bundesland. Mit diesem Artikel möchten wir eine Übersicht über die Stadt Brandenburg an der Havel zur Verfügung stellen und Fragen beantworten, die uns im täglichen Dialog mit unseren Kunden begegnen.

Geographie

Bereits der Name „Brandenburg an der Havel“ sagt etwas über die geographische Lage der Stadt aus: Die Stadt liegt an dem Fluss Havel, der für die Binnenschifffahrt von hoher Wichtigkeit ist. Der Fluss zieht sich über Potsdam bis nach Havelberg, wo er in die Elbe mündet. Die Stadt liegt weiterhin im Westen von Brandenburg, auf einer Fläche von insgesamt 228,8 Quadratkilometern. Da Brandenburg an der Havel nur 70 Kilometer von Berlin entfernt liegt, gehört die Stadt zum sogenannten Agglomerationsraum von Berlin.
Die Havel bildet im Stadtgebiet mehrere das Stadtbild prägende Seitenarme aus. Hinzu kommen 10 natürliche Seen, die ebenfalls das Stadt- und Landbild charakterisieren. Die beiden größten Seen sind der Plauer See und der Beetzsee.

Gliederung der Stadt

Die Stadt untergliedert sich in 8 Stadtteile: Altstadt, Dom und Neustadt bilden die drei mittelalterlichen Stadtkerne. Insgesamt ist die Stadt in 50 unterschiedliche Stadt- und Ortsteile unterteilt, dazu zählen auch Wohnplätze und Ortslagen. Zu den Wohnplätzen gehören beispielsweise Brielower Ausbau, Butterlake und Bohnenland, alle im Norden der Gemeinde Beetzsee gelegen.

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark umgibt die Stadt Brandenburg an der Havel fast vollständig, bis auf wenige Kilometer im Nordwesten und –Osten, wo der Landkreis Havelland grenzt. Dieser umfasst an der Grenze die beiden Orte Nauen und Milower Land. Zu den umliegenden Orten im Landkreis Potsdam-Mittelmark gehören unter anderem die Stadt Havelsee und die Orte Roskow, Groß Kreutz, Kloster Lehnin und Wollin sowie Bensdorf.

Umwelt, Natur und Klima

In der Stadt Brandenburg an der Havel herrscht ein gemäßigtes Klima, welches vom atlantischen Seeklima und vom Kontinentalklima im Osten beeinflusst wird. Die Niederschläge sind über das Jahr relativ gleichmäßig verteilt und zu jeder Zeit gegenwärtig – eine explizite Trockenzeit ist nicht vorhanden. Im Durchschnitt liegt der jährliche Niederschlag bei 539 mm in Havelsee. Der Februar ist mit einem durchschnittlichen Niederschlag von 32 mm der Monat mit der geringsten Niederschlagsmenge. Im Juni wiederum fällt mit 64 mm der meiste Niederschlag. Der darauffolgende Monat, Juli, ist wiederum der wärmste Monat mit einer Durchschnittstemperatur von 18,4 °C. Im Vergleich dazu liegt die Durchschnittstemperatur bei 9,1 °C. Der kälteste Monat ist der Januar. Hier beträgt die Temperatur im Durchschnitt -0,2 °C.

 

Video über Brandenburg an der Havel

Schutzgebiete und Landschaft mit Historie

Der Fiener Bruch wurde mit samt einiger angrenzender Gebiete zum EU-Vogelschutzgebiet erklärt. Brandenburg an der Havel hat an diesem Schutzgebiet einen kleinen Anteil im Südwesten.

Ein weiteres Schutzgebiet ist das Naturschutzgebiet Möweninsel Buhnenwerder. Dabei handelt es sich um die Insel Buhnenwerder, welche zwischen Plauer- und Breitlingsee liegt und nur Met dem Boot erreichbar ist. Sie ist das älteste Naturschutzgebiet der Stadt und wurde bereits am 1. April im Jahr 1930 als solches ausgewiesen.

Trotz einer praktischen Auslöschung der Brutkolonie an Lachmöwen auf der Insel im zweiten Weltkrieg – die Insel wurde unter anderem als Truppenübungsplatz genutzt – sind die Bestände heute wieder vorhanden. Auch der Rohrammer und der Rohrdommel sowie die europäische Sumpfschildkröte sind in dem Naturschutzgebiet beheimatet.

Naturschutzgebiet in Brandenburg

Auch das Landschaftsbild hat sich mit den Jahren verändert, vor allem auf Grund menschlicher Einflüsse, in der Regel bedingt durch wirtschaftliche Faktoren. So wurde die Havel seit Ende des 12. Jahrhunderts gestaut, damit man Wassermühlen betreiben konnte. Der Anstieg des Wasserspiegels durch die Dämme Mühlendamm im Süden und weiterer drei Dämme im Norden war so stark, dass er im flachen Land auch im etwa 70 Kilometer entfernten Spandau mit einem Meter zu messen war. Durch diesen Stau entstanden entlang der Stauung Feuchtgebiete, Sümpfe und Moore sowie zusätzliche kleine Seen.

Offensichtlich wird das Landschaftsbild von Brandenburg an der Havel hauptsächlich von der Havel und den von ihr abhängigen Feuchtgebieten bestimmt. Dazu zählt nicht nur die Bildung neuer Seen, sondern auch das Sterben von vorhandenen: So sind der Bohnenländer See und der Gördensee ohne natürlichen, aber mit künstlichem Abfluss versehen, dem sogenannten Eisengraben und dem Quenzgraben. Die Seen verlieren an Wasser und damit an Fläche. Der Verlandungsprozess wird von der Bildung von Schilfflächen begleitet.

Schnappschüsse in Brandenburg an der Havel

Historie

Archäologische Befunde, die bis auf die Vorzeit zurückgehen, sind praktisch nicht vorhanden, da durch die Wechseleiszeit das Gelände überformt wurde: Objekte bzw. Materie an der Oberfläche wurde in tiefere Schichten gewälzt, die für die Archäologie unzugänglich sind. Selbst aus der Zeit der Germanen existieren nur sehr wenige Befunde. Später, etwa ab dem Mittelalter, kann die Historie dichter nachvollzogen werden. Durch Grabungsfunde wird für den Zeitraum zwischen dem 5. Und 7. Jahrhundert nachgewiesen, dass Siedlungen germanischer Herkunft im Raum Brandenburg existiert haben.

Davor, im 3. Und 4. Jahrhundert, ist lediglich bekannt, dass keltische und späthallstädtische Importgüter ab Brandenburg nicht mehr in großer Zahl auftreten. Daraus lässt sich schließen, dass im Ort früher mehrere Handelsrouten kreuzten. Die erste Landnahme durch zugewanderte Slawen und Böhmen wird auf einen Zeitraum ab dem 6. Jahrhundert geschätzt, wobei die Namen der Flüsse, wie sie heute noch existieren, entstanden: Havel, Spree und Elbe. Siedlungsnamen oder Flurnamen wurden hingegen neu vergeben – ein Grund zur Annahme, dass es den Namen Brandenburg so oder in ähnlicher Form damals noch nicht gegeben hat.

Mittelalter

Das ändert sich im 10. Jahrhundert bzw. im Jahr 948 mit einer urkundlichen Erwähnung unter dem Namen „Brendanburg“. Hintergrund ist die Errichtung des Bistums Brandenburg auf der von König Heinrich I. im Jahr 929 eroberten Dominsel, ehemals unter Kontrolle der slawischen Heveller. Unter Historikern herrscht Uneinigkeit darüber, wann genau das Bistum gestiftet wurde. Bisher ging man vom Jahr 948 aus, doch neuere Stimmen verlauten das Jahr 949 oder 965 als Jahr der Stiftung.

Die Slawen eroberten das Gebiet später im Rahmen des Slawenaufstands von 983 zurück, einschließlich der Gebiete östlich der Elbe. Das führte durch die Eliminierung der bis dahin etablierten Reichsherrschaft des Liutizenbunds zu einem Christianisierungsstopp für die nächsten etwa 200 Jahre. Dennoch hatte das Bistum weiter Bestand, jedoch über Bischöfe im Exil in Magdeburg.

Erst nachdem Brendanburg und die umliegenden Gebiete im Jahr 1157 zurückerobert wurden, konnte das Bistum nach Brendanburg zurückkehren. Nach dem Tod des letzten Hevellerfürst namens Pribislaw-Heinrich im Jahr 1150, der das Land von der Dominsel aus regierte, erbte der Markgraf Albrecht den Bären das Land.

Der Orden der Prämonstratenser siedelte im Jahr 1165 ebenfalls auf die Insel, zuvor war der Orden um die St.-Gotthardt-Kirche beheimatet. Die heutige Dominsel war bis 1165 als Burginsel zu bezeichnen, da erst dann mit dem Bau des Doms begonnen wurde. Der Bau entstand unter Albrecht der Bär, der das Land auf Grund einer Besetzung durch Polen’s Vasall Jacza von Köpenick mit dem Kriegszug gegen Polen seitens Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahr 1157 zurückerobern musste. Er begründete auch die Mark Brandenburg.

Durch die Umsiedlung der Prämonstratenser entstand um die St.-Gotthardt-Kirche eine Siedlung, die sich nach dem Jahr 1160 entlang der Straße von Magdeburg über Lebus und Köpenick bis nach Posen ausweitete. Urkundlich wurde Brandenburg als Stadt in einem Dokument von Markgraf Otto I. im Jahr 1170 erwähnt.

Noch heute deutet die Nikolaikirche in Luckenberg, die noch vor 1173 entstand, auf eine alte kaufmännische Siedlung hin. Die Neustadt wurde im Süden der Altstadt angelegt. Dies geschah nach Plan gegen Ende des 12. Jahrhunderts. Die Katharinenkirche wurde um diese Zeit ebenfalls erbaut. Die erste urkundliche Erwähnung der Altstadt geht auf das Jahr 1196 zurück.

Die Neustadt und die Altstadt wurden jeweils ummauert und bestanden als eigenständige Städte bzw. Kommunen als Teil des Markgrafentum Brandenburg. Gegenüber des weltlichen Markgrafentums war das geistliche Zentrum nach wie vor die Dominsel bzw. der Dom Brandenburg. Die Grenze zwischen den beiden Fürstentümern zog sich genau entlang auf der Havel.

St. Johannes am SalzhofuferDie Franziskaner gründeten in der Altstadt das Kloster St. Johannis im Jahr 1234. Mehrere Jahrzehnte später wurde in der Neustadt der markgräfliche Hof den Dominikanern im Jahr 1286 zur Errichtung des St. Pauli Klosters überlassen. Im Spätmittelalter gelten die beiden Orte als das Zentrum zwischen den beiden Flüssen Elbe und Oder: So war der Ort nicht nur die Hauptstadt der brandenburgischen Markgrafschaft, sondern zudem noch Bischofssitz sowie Ort eines Schöppenstuhls und Fernhandesstadt.

Auf letzteres weist die in der Stadt vorhandene Judengemeinde hin, die wiederum um die Jahre 1350 sowie 1446 und 1510 verfolgt wurden. Die Obergerichte lagen seit dem Jahr 1230 unter Kontrolle bürgerlicher Schöppen und Schulzen. Diese städtische Freiheit wird im größeren Kontext von dem 1402 erwähnten Roland – ein Ritterstandbild mit Geltung als Sinnbild für Stadtrechte – auf dem Neustädtischen Markt ausgedrückt.

Der vorherige Burggraf von Nürnberg, Friedrich I., erster Fürst der Mark des Hauses Hohenzollern, zog am 21. Juni und dem Folgetag als neuer Kurfürst in die Stadt. Zugesstraße war die Heerstraße Brandenburg-Magdeburg. Später wurde in der Neustädter Heide, direkt an der einstigen Grenze der Mark, der Hohenzollernstein als Denkmal gestiftet, der Friedrich I. ehren soll.

Um negativen Einflüssen durch die neuen Landesherren zu entgehen, schlossen die beiden Städte in Brandenburg mit weiteren Städten Berlin, Cölln sowie Frankfurt (Oder) einen Städtebund. Der Bund gehörte bis zum Jahr 1518 der Hanse an.

Nach dem Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert

Joachim I. , ein weiterer Kurfürst, bestätigte im Jahr 1521 den Titel Chur- und Hauptstadt der Stadt Brandenburg an der Havel und legte weiterhin ein Reihenfolge für die märkischen Städte fest, die bei Huldigungen und im Feld eingehalten werden sollte: Brandenburg Alt- und Neustadt stand dabei an erster Stelle, woraufhin die Städte Berlin, Cölln, Stendal, Prenzlau, Perleberg und Ruppin folgten. Frankfurt (Oder) und Cüstrin bildeten den Schluss. Dass Berlin an zweiter Stelle stand, sorge noch Jahrhunderte später bis in das 19. Jahrhundert für Streitigkeiten über den Rang bei Erbhuldigungen.

Nach der Säkularisierung des Bistums und dem Durchsetzen der Reformation zwischen 1536 und 1555 erfolgte die Eingliederung des Hochstift Brandenburgs in das Kurfürstentum Brandenburg. Im selben Zeitraum stieg der Einfluss von Berlin durch dessen Aufstieg zur Residenzstadt des Kurfürstentums soweit an, dass die Vormachtstellung der Brandenburg-Städte verloren ging.

Die Abschaffung der freien Ratswahl im Jahr 1619 und die Münzverschlechterung bzw. die Verringerung des Edelmetallgehalts im Rahmen einer Münzentwertung drei Jahre später (1622) sorgte für Aufruhr in der Bevölkerung der Stadt. Den 30-jährigen Krieg überstand die Stadt nur unter großem Schaden, sowohl an Substanz als auch an der Bevölkerung. Im Jahr 1648 lebten von den 10.000 Einwohnern vor dem Krieg nur noch 3000. Es sollte über 150 Jahre dauern, bis die Zerstörungen wieder aufgeholt werden konnten: Erst ab 1800 kann von einer signifikanten Erholung gesprochen werden.

Dennoch vollzog sich der Aufstieg langsam und nicht plötzlich: 1648 beispielsweise siedelten sich die Hugenotten an, die mit Manufakturen rund um die Lederverarbeitung dem Land eine wirtschaftliche Bedeutung beimaßen. Im Rahmen der Ansiedlung und des boomenden Wirtschaftszweigs entstand eine neue, reformierte, Gemeinde.
Seit Ende des 17. Jahrhunderts wurde das brandenburgische Heer ausgebaut, wodurch beide brandenburgischen Städte zu sogenannten Garnisionsstädten wurden. Mit der Zustimmung des Königs wurde im Jahr 1704 seitens des Domstifts die Ritterakademie gegründet.

Die Akademie diente als Ausbildungsstätte für den Adel, um im Staats- und Militärdienst zu dienen. Die Vereinigung der beiden brandenburgischen Städte erfolgte erst im Jahr 1715 auf Befehl des damaligen preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. Die Stadtverwaltung wurde zusammengelegt, wobei die jeweiligen Ratsmänner blieben. Der Dom Brandenburg blieb nach wie vor eine eigenständige Gemeinde und sollte erst später mit der Stadt vereinigt werden. Das Zusammenwachsen wurde zwar per Befehl erzwungen, doch in der Realität handelte es sich um einen sehr langwierigen Prozess.

Bis zum zweiten Weltkrieg

Die nun vereinigte Stadt Brandenburg an der Havel wurde von Napoleon bzw. Frankreich nach der von der preußischen Armee verlorenen Schlacht bei Auerstedt und Jena zwischen 1806 und 1808 besetzt. Die Stadt wurde im Jahr 1816 dem Landkreis Westhavelland unter dem Regierungsbezirk Potsdam als Teil der Provinz Brandenburg, später, ab 1939, der Mark Brandenburg, zugeordnet. Hintergrund dafür waren die neuen Gliederungen in der Verwaltung nach dem Wiener Kongress im Rahmen der preußischen Verwaltungsreformen.

Industrielle Revolution

Die Städte mussten sich unter dem Zwang Napoleons vor wenigen Jahren hoch verschulden. Erst ein halbes Jahrhundert später, mit Beginn der Industrialisierung, sollten die Schulden zurückgezahlt werden. Eben dieser Beginn der Industrialisierung sorgte im Jahr 1846 für den Bau einer Bahnverbindung von Brandenburg nach Berlin und nach Magdeburg.

Während der französischen Revolution im Jahr 1848 fand eine Tagung der seitens des Königs aus Berlin vertriebenen preußischen Nationalversammlung im Brandenburger Dom statt. Die Tagung dauerte vom 8. November bis zum 5. Dezember bzw. zu ihrer Auflösung. Ein weiterer signifikanter Meilenstein im Rahmen der Industrialisierung war die Gründung der Brennabor-Werke im Jahr 1871 von den Gebrüdern Reichstein.

Die Firma baute zunächst Kinderwagen, wurde wenig später aber hauptsächlich durch Fahrräder und Autos bekannt. Die industrielle Revolution sorgte außerdem für einen rasanten Anstieg der Bevölkerung: Sie verdoppelte sich in den letzten Jahrzehnten gegen 1900, größtenteils durch Zuzüge aus den umliegenden Gebieten, aus dem Ruhrgebiet und aus Ost- wie Westpreußen. Zuwanderung erfolgte auch aus Pommern, Schlesien und Danzig.

Die Stadt Brandenburg schied ab dem 1. April 1881 aus dem Kreis Westhavelland aus und galt fortan als eigener Stadtkreis. Ebenfalls im Rahmen des industriellen Aufstiegs erfolgte ein Ausbau der Infrastruktur um das Jahr 1900. Im ähnlichen Zeitraum wurden weitere Fahrradwerke, eine Werft, eine Gießerei und Werke für Textilien, Möbel sowie Blechspielwaren gebaut. Im Jahr 1897 nahm die erste Pferdestraßenbahn den Fahrbetrieb auf, später folgten drei in der näheren Umgebung unter den Westhavelländischen Kreisbahnen verkehrenden kleine Kreisbahnen.

Zum Knotenpunkt für den Bahnverkehr wurde die Stadt mit der Eröffnung der Städtebahn Brandenburg im Jahr 1904, die von Rathenow nach Belzig führte. Im Jahr 1910 wurde wiederum der Silokanal eröffnet, der zur Umfahrung der Innenstadt diente. Entlang des Kanals entstanden weitere Werke, so zum Beispiel ein Stahl- und Walzwerk. Gleichzeitig gab es auch Schließungen, beispielsweise bei einer Tuch- und Seidenweberei.

Mit dem Ende der industriellen Revolution bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts war Bandenburg von Industrien aus den Bereichen Stahl und Metall, Textil und Spielwaren geprägt. Mit der Stationierung unterschiedlicher bedeutsamer Regimente (Füsilier, Feldartillerie und Kürassier) erlangte die Stadt weiter an Bedeutung.

Kurz bevor der erste Weltkrieg ausbrach, wurde eine Flugzeugfabrik gegründet, die Brandenburgische Flugzeugwerke GmbH. Das Unternehmen wurde 1914 zu Hansa-Brandenburg fusioniert und baute bis dato den Flugzeugtyp Etrich Taube. Später, nach dem zweiten Weltkrieg musste das Unternehmen den Flugzeugbau aufgeben.

Zweiter Weltkrieg und Nationalsozialismus

In der NS-Zeit wurde in Brandenburg die Heeres-Spezialeinheit Baulehrkompanie z. b. V. 800 stationiert. Der Verband wuchs soweit an, dass er am 1. Juni 1940 in das Lehrregiment Brandenburg (z. b. V. 800) umbenannt wurde. Nach einigen Einsätzen verband man mit der Einheit bzw. mit den deutschen Kommandoeinheiten den Namen „Brandenburger“. Nicht nur diese Spezialeinheit, auch weitere Regimente (Infanterie 68, Artillerie 59 und Flak 22) waren hier stationiert, ebenso wie ein Pionier-Bataillon.

Brandenburg war in der Zeit des Nationalsozialismus ein wichtiger Standort für die Flugzeug- und LKW-Produktion, unter anderem deshalb, weil dafür wichtige Industrien bereits etabliert waren und die Stadt sowie ihr Umland über eine gute Infrastruktur verfügte. Für die Aufrüstung der Wehrmacht wurden vom Flugzeugbauer Arado Zweigstellen direkt am Flugplatz Briest und in Neuendorf (für Wasserflugzeuge) errichtet. Auch das Unternehmen Opel baute am Silokanal ein Werk in Brandenburg, jedoch nicht für Flugzeuge, sondern für die Herstellung des LKW-Modells „Blitz“ – ebenfalls für die Aufrüstung der Wehrmacht.

Ab dem Jahr 1933 bzw. 1934 wurde im Alten Zuchthaus in Brandenburg eines der ersten Konzentrationslager etabliert. Das Zuchthaus blieb in ähnlicher Funktion ein Gefängnis und Hinrichtungsort für Widerstandskämpfer, bis zur Befreiung durch sowjetische Truppen am 27. April im Jahr 1945. Insgesamt richtete man 1772 Menschen an diesem Ort hin. Um diesem geschichtlichen Ereignis Rechnung zu tragen, ist heute eine Dokumentationsstelle im Zuchthaus eingerichtet, bei der über die Opfer durch die NS-Justiz informiert wird.

Ein weiteres Mahnmal für Morde in der NS-Zeit findet sich an der Anton-Saefkow-Allee. Die damalige Landesklinik für Psychiatrie, später nur noch Landesanstalt Görden genannt, war direkt in das Euthanasieprogramm T4 eingebunden. Die Leitung hatte damals der Direktor Professor Hans Heinze. Insgesamt wurden in der Tötungsanstalt der Klinik vor der historischen Altstadt und in der nachfolgenden Einrichtung in Bernburg 9772 Patienten getötet. Weitere System-Morde fanden in der Kinderfachabteilung der Landesanstalt Görden statt.

Erst mit dem Ende des zweiten Weltkrieges wurden die Einrichtungen befreit bzw. zerstört, wie viele weitere Gebäude: Insgesamt wurden etwa 70% der Industriebetriebe durch Fliegerbomben und Bodentruppen im Rahmen des Ringschluss Berlin im April 1945 zerstört. Die Betriebe, insbesondere die stahlverarbeitenden, waren auf Grund der Nutzung für die Rüstungsproduktion systematisches Ziel der Angriffe.

Nach dem zweiten Weltkrieg bis heute

Als Teil der Sowjetischen Besatzungszone wurden in Brandenburg vielerorts Industrieanlagen demontiert und als Reparation in die UdSSR verschickt. Dies betraf unter anderem das Opel-Werk für die Blitz-LKW. Die Kasernen, direkt an der Magdeburger Straße, wurden von den Sowjets weiter genutzt. Eine Schule, ein Lebensmittelgeschäft und ein Haus der Offiziere befanden sich hier ebenfalls.

Die 50er Jahre waren der Beginn eines industriellen Aufschwungs, der etwa mit dem Bau des Kirchmöser Walzwerks ab 1949 eingeläutet wurde. Ab 1950 wurde das Stahl- und Walzwerk Brandenburg gebaut, wodurch in der Stadt wieder Schwerindustrie vorhanden war. Bis in das Jahr 1989 stieg die Einwohnerzahl wieder, wobei Stahlwerke, Maschinenbaufabriken und die Bauindustrie ebenso wie Betriebe rund um die Deutsche Reichsbahn in Kirchmöser Symbole der Stadt wurden.

Nach der Wiedervereinigung und der damit verbundenen politischen Wende wurde der SPD-Politiker Helmut Schliesing zum Oberbürgermeister der Stadt gewählt. Die Treuhandanstalt übernahm die Pivatisierung der Betriebe, ebenso wie die Verkleinerung oder im Bedarfsfall auch die Schließung. Die Stadt wurde in gewissem Maße „deindustrialisiert“, wodurch auch die Einwohnerzahl sank und die Arbeitslosenquote stieg.

Brandenburg an der Havel erhielt im Jahr 2009 den Titel „Ort der Vielfalt“, verliehen von der Bundesregierung für besonderes Engagement für kulturelle Vielfalt und Gleichberechtigung. Weitere national wirkende Ereignisse waren unter anderem die Austragung der Bundesgartenschau im Jahr 2015 in Brandenburg.

Namensherkunft der Stadt

Wie bereits erwähnt, wurde die Stadt Brandenburg an der Havel in Schriftstücken mit einem Alter größer als 1000 Jahren erwähnt. Die Stiftungsurkunde des Bistums Brandenburg beinhaltet die älteste Erwähnung des Namens: „civitate Brendanburg“ heißt es in der Urkunde, wobei von der Gründung des Bischofssitzes die Rede ist. Trotz einiger Uneinigkeiten wird angenommen, dass die Urkunde im Jahr 948 erstellt wurde. Wenige Jahre später, im Jahr 967, wird in Widukind von Corvey‘s Chroniken von Brennaburg’s Eroberung gesprochen.

Der Name setzt sich offensichtlich schon damals aus den beiden Wortteilen „Brenna“ und „Burg“ zusammen. Die Herkunft könnte aus dem slawischen Raum kommen, wo „bran“ etwas wie Sumpf oder Morast bedeutet. Auch eine Herkunft aus dem Germanischen, mit der Bedeutung „Brand“, wäre denkbar. Manche leiten den Namen auch vom sogenannten heiligen Brendan ab, doch im Bereich Brandenburg gab es damals dazu keine Aktivitäten.

Dennoch könnte der Name vom heiligen Brendan kommen, da zur Zeit der Karolinger die Ortsnamen frankonisiert wurden und deshalb auch auf einen Kult in anderen geographischen Bereichen zurückgehen konnten. Weitere Versuche der Deutung gehen von einer indogermanischen Herkunft aus, nach der „bendh“ für das Wort „schwellen“ oder „quellen“ steht – eine Bezeichnung für ein Gewässer, mit dem Zusatz des letzten Wortteils „Burg“.

Selbst in jüngeren Zeiten variierte die Bezeichnung der Stadt zwischen Brendanburg, Brandenburg, Brandenburg (Havel), Brandenburg a./Havel und, zuletzt gilt das seit dem Jahr 1993, Brandenburg an der Havel.

Veranstaltungen und Volksfeste

Neben der Bundesgartenschau als einmalige Veranstaltung im Jahr 2015, gibt es viele regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen. Ein Beispiel ist das Havelfest, welches seit über 40 Jahren in Brandenburg gefeiert wird. Teil des Fests ist auch die beliebte Wahl der Havelkönigin. Das Fest ist deshalb erwähnenswert, weil es eine erstaunliche Größe erreicht hat: Im Jahr 2005 wurden etwa 200.000 Besucher in drei Tagen gezählt. Wichtige Volksfeste sind zudem das Rolandfest, Altstadtfest, Höfefest und der Fischerjakobi. Auch der Brandenburger Klostersommer von Juni bis Juli und das historische Hafenfest im August sind wichtige Feste. Junge Feste sind hingegen das Brandenburger Jazzfest, welches seit 1996 stattfindet, und das seit 2012 in Brandenburg an der Havel abgehaltene „Heimwerts“ Kleinkunstfestival.

Infrastruktur, Wirtschaft und Bildung

Schulen

Es gibt in Bandenburg drei Gymnasien: Die Europaschule von Saldern-Gymnasium wurde im Jahr 1991 als Gymnasium Neustadt gegründet. Ein weiteres Gymnasium ist das Bertolt-Brecht-Gymnasium im Stadtteil Nord. Es wurde ebenfalls im Jahr 1991 gegründet, genauso wie das dritte Gymnasium namens Gymnasium Hohenstücken (später Gymnasium Friedrich Grasow), welches im Jahr 2009 jedoch geschlossen bzw. in das Bertolt-Brecht-Gymnasium eingegliedert wurde.

Als viertes Gymnasium abseits der öffentlichen Schulen existiert als Privatschule das Evangelische Gymnasium am Dom zu Brandenburg. Zu den 3 bzw. 4 Gymnasien kommen neun Grundschulen, drei Förderschulen, vier Oberschulen, zwei Oberstufenzentren und zwei Fachschulen sowie eine medizinische Schule hinzu.

Hochschulen

In Brandenburg gibt es zwei Hochschulen: Als erste Hochschule der Stadt wurde im Jahr 1992 die TH Brandenburg gegründet. Die Technische Hochschule ist eine Hochschule im Westen der Altstadt. Sie liegt auf dem alten Kasernenkomplex an der Magdeburgstraße. Informatik-, BWL- und Ingenieursstudiengänge bilden das zentrale Studienangebot der Hochschule. Die zweite Hochschule ist die erst im Jahr 2014 gegründete Medizinische Hochschule Brandenburg, wobei hierbei zwei Studienorte vereint werden: Neuruppin und Brandenburg.

Bibliotheken

Die TH Brandenburg verfügt über eine Hochschulbibliothek. Neben dieser gibt es noch die Domstiftsbibliothek, die Fouqué-Bibliothek bzw. Stadtbibliothek und die Bibliothek in der Europaschule von Saldern-Gymnasium. Außerdem hat auch das brandenburgische Oberlandesgericht eine eigene Bibliothek, ebenso wie das Stadtmuseum. Im Industriemuseum Brandenburg existiert weiterhin eine Spezialbibliothek, die allein auf metallurgische Literatur ausgelegt ist und insgesamt etwa 3000 Bände umfasst. Früher gab es zwei sehr bedeutsame Bibliotheken in Brandenburg, die im Zuge des Zweiten Weltkriegs jedoch umgelagert wurden. So befindet sich die Franziskaner-Bibliothek nun in Krakau und die Schöppenstuhl-Bibliothek und Berlin.

Straßen- und Bahnverkehr

Die nächste Autobahn bei Brandenburg an der Havel ist die A2, welche Brandenburg im Süden in einer Entfernung von etwa 10 Kilometern tangiert. Durch die Stadt führen zwei sich kreuzende Bundesstraßen, die B1 und die B102, ebenso wie die Deutsche Alleenstraße. Den Bahnhof erreicht man über die Große Gartenstraße und über die Otto-Sidow-Straße und die dritte Havelbrücke, die Ende der 1980er Jahre errichtet wurde, um den Verkehr im Stadtzentrum zu entlasten.

Der Anschluss an das Eisenbahn-Netz erfolgte im Jahr 1846 mit dem Bau der Bahnstrecke Berlin-Magdeburg durch die Berlin-Potsdam-Magdeburger Eisenbahngesellschaft. Im Jahr 1901 wurden die Westhavelländischen Kreisbahnen angeschlossen. Eine weitere Bahnstrecke führte vom Bahnhof Brandenburg Krakauer Tor nach Nauen-Röthehof. Hinzu kam im Jahr 1904 eine Bahnstrecke nach Roskow, diesmal jedoch vom Bahnhof Brandenburg-Altstadt. Heute gibt es die Kreisbahnen nicht mehr, sie wurden 1945 abgebaut.

Allerdings ist die Bahnstrecke der Städtebahn (Treuenbrietzen – Belzig – Brandenburg (Havel) – Rathenow – Neustadt (Dosse)) bis heute in Betrieb und wird aktuell von der Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (ODEG) unterhalten. Aktuelle Fern- und Regionalverbindungen variieren in der Frequenz des Anfahrens der Bahnhöfe in Bandenburg seit 1990 vom Regionalexpress Linie 1 über den Intercity von Cottbus nach Emden Außenhafen.

Heute wird der Brandenburger Hauptbahnhof von einer nationalen und einer internationalen Fernverkehrslinie angefahren, einmal täglich hält hierzu der NJ 471 nach HBF Zürich und der Intercity Express ICE 949 von und nach Berlin-Ostbahnhof sowie Köln-Hauptbahnhof.

Wasserverkehr

Der Silokanal, der Elbe-Havel-Kanal und die Havel selbst sind für die Berufsschifffahrt freigegeben und an das Europäische Wasserstraßennetz angeschlossen. Jede Wasserstraße verfügt im Stadtgebiet über einen eigenen Hafen. Der Größte davon ist der Öffentliche Hafen am Silokanal.

Er liegt im Gewerbegebiet SWB auf einer Fläche von 36.000 Quadratmetern bei einem Tiefgang von 3,8 Metern. Die Kailänge beträgt 400 Meter und die Kranlast maximal 50 Tonnen. Es gibt Liegeplätze für insgesamt 6 Gütermotorschiffe und eine Pier mit Elektro- und Frischwasseranschlüssen (7 + 3 an der Zahl). Neben diesen drei Wasserwegen existieren noch weitere, die nun jedoch dem Sport- und Freizeitverkehr zur Verfügung stehen. Dazu zählt beispielsweise der Stadtkanal.

Die Verbindung der beiden Uferseiten der Havel erfolgt nicht nur über eine der Havelbrücken, sondern auch über Fährverbindungen. Eine davon ist die Fähre Neuendorf, die als Seilfähre den Wohnplatz Buhnenhaus und das Dorf Neuendorf verbindet. Die Fähre verkehrt mit Hilfe eines die Route festlegenden Stahlseils und ist auch für das Übersetzen von Autos über die Havel geeignet. Die Reederei Nordstern betreibt eine weitere Fährverbindung über die Havel, jedoch vordergründig als Freizeitfähre bzw. für den Ausflugsverkehr.

Brücken

JahrtausendbrückeIn Brandenburg gibt es insgesamt 58 Brücken, wobei nur ein Teil davon unterfahrbar ist. Die Jahrtausendbrücke ist die größte Brücke. Sie hieß bis zum Jahr 1928 noch Lange Brücke und stellte die Hauptverbindung zwischen der Altstadt und Neustadt dar. Bekannt ist auch die umgangssprachlich unter dem Namen „Bauchschmerzenbrücke“ geläufige Gottfried-Krüger-Brücke.

Sie wölbt sich halbrund über den Pumpergraben, entlang des Südufers der Havel. Die einst für die Überführung der B1 genutzte Plauer Brücke – ein Paradebeispiel für eine genietete Stahlkonstruktion – ist heute für den Verkehr zwar gesperrt, darf von Fahrradfahrern oder Fußgängern aber genutzt werden.

Sehenswürdigkeiten, Kulturstätten und religiöse Bauten

In Brandenburg gibt es zahlreiche Sehenswürdigkeiten und kulturelle Bauten. Dazu zählen beispielsweise das Brandenburger Theater und das Event-Theater. Hinzu kommt, unabhängig bzw. ohne eigenes Ensemble oder Orchester und rein von Dritten für Konzerte oder andere Veranstaltungen genutzt, der brandenburgische Stahlpalast als größte Mehrzweckhalle in Brandenburg.

Auf Grund der weit zurückreichenden und reichen Historie haben sich in Brandenburg mehrere Museen herausgebildet. Das Archäologische Landesmuseum im Paulikloster eröffnete im Jahr 2008. Hier lässt sich eine 40.000-jährige Geschichte der Region Brandenburg nachvollziehen. Außerdem gibt es ein Dommuseum und ein Industriemuseum, ebenso wie ein an zwei Standorten liegendes Stadtmuseum, einen Museumshafen, diverse Gedenkstätten und weitere Kulturzentren.

Kirchen

Auf Grund der geschichtlichen Vergangenheit der Stadt Brandenburg an der Havel, verbunden mit der Burg- bzw. Dominsel, ist den Kirchen in der Stadt eine besondere Bedeutung zu widmen. Eben die Domkirche St. Peter und Paul ist mit Abstand die bekannteste Kirche in Brandenburg.

Die St.-Petri-Kapelle, die aus der Burgkapelle des Markgrafensitzes hervorging, war bis zur Integration der Domkirche bzw. der Gemeinde Brandenburg Dom die Pfarrkirche für die weltlichen Bewohner von Brandenburg Dom. Die evangelische Pfarrkirche der Neustadt ist die im gotischen Stil aus Backstein gebaute St.-Katharinen-Kirche aus dem 15. Jahrhundert. Die evangelische Stadtkirche St. Gottharft in der Altstadt zählt mit zu den ältesten kirchlichen Bauten der Stadt und diente vor der Zeit der Domkirche auch als Bischofskirche.

An der Kirche lassen sich drei Baustile beobachten: Der Turm ist barock, das Portal romanisch und das Kirchenschiff gotisch. Die Kirche St. Pauli und das Dominikanerkloster liegen auf dem Grund des Geländes des einstigen markgräflichen Hofes in der Neustadt. Das Kloster beherbergt nach Rekonstruktion, die durch die im zweiten Weltkrieg entstandenen Schäden notwendig war, seit 2007 das Archäologische Landesmuseum. Die St. Johannis Kirche liegt am Rand der Altstadt im Südwesten und war einst die Kirche des Franziskanerklosters.

Auch sie wurde im zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und erst zur im Jahr 2015 stattfindenden Bundesgartenschau restauriert. Viele weitere Kirchenbauten aus dem Mittelalter finden sich auch heute noch vor den einstigen Toren der Städte Altstadt und Neustadt: Die Nikolaikirchre beispielsweise steht vor dem Plauer Tor in der Altstadt. Ab 1170 wurde die mit dem offenen Dachstuhl versehene romanische Backsteinbasilika gebaut. 400 Meter im Westen des Steintors von Neustadt liegt wiederum die St. Jakob Kapelle. Sie wird auch als „Verrückte Kapelle“ bezeichnet. Der Grund ist, dass das Bauwerk auf Grund der Erweiterung der angelegenen Straße um 11 Meter gen Westen verschoben wurde. Weiterhin gibt es in der Neustadt die katholische Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit. Zur gleichnamigen Dreifaltigkeitsgemeinde gehört auch die Kirche St. Elisabeth auf dem Görden.

Die modernste Kirche ist die Neuapostolische Kirche. Sie liegt am Mühlengraben und wurde im Jahr 2011 eingeweiht. Es wird offensichtlich, dass Brandenburg über eine sehr reiche religiöse Geschichte verfügt. Zu den genannten Kirchen kommen noch viele weitere hinzu, beispielsweise die Pfarrkirche Plaue, die katholische Kirche Heilig Geist und die Dorfkirche Neuendorf sowie viele weitere Dorfkirchen.

Religiöse Gemeinden

Insgesamt gibt es 8 evangelische Kirchengemeinden in der Stadt. Hinzu kommen zwei zur römisch-katholischen Kirche gehörenden Gemeinden sowie eine neuapostolische und eine russisch-orthodoxe. Zwei Gemeinden des Bundes der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden sind ebenso wie eine Adventgemeinde, die Zeugen Jehovas und die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sowie weitere Gemeinden vertreten.

Entwicklung der Bevölkerung

Neustadt und Altstadt waren die beiden brandenburgischen Städte im Mittelalter. Sie hatten bereits mehrere Tausend Einwohner, jedoch wuchs die Bevölkerungszahl bis zu Beginn der industriellen Revolution nur langsam, bedingt durch zahlreiche Kriege, Seuchen, Hungersnöte und weitere eindämmende Faktoren. So stieg die Einwohnerzahl bis 1600 auf 10000, sank bis nach dem Dreißigjährigen Krieg aber auf 3000 ab.

Der Vorkriegszustand wurde seitens der Bevölkerungszahl erst wieder im Jahr 1715 erreicht. Ein starker Anstieg der Bevölkerung lässt sich wie bereits erwähnt ab Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert beobachten: So lebten im Jahr 1818 nur circa 12800 Menschen in der Stadt, zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren es wiederum etwa 50.000. Hauptgrund dafür war nicht etwa eine explodierende Geburtenrate, sondern Zuwanderung.

Einen Einbruch der Bevölkerungszahl verzeichnete man dann erst wieder mit dem zweiten Weltkrieg, durch welchen die Stadt etwa 18 Prozent ihrer Einwohner verlor. So sank die Einwohnerzahl von 84.000 Einwohnern im Jahre 1939 auf 69.000 im Jahr 1945 dem Ende des Kriegs. Doch bereits 1952 lebten wieder 84.000 Einwohner in der Stadt. Der bisherige historische Höchststand hinsichtlich der Einwohnerzahl wurde im Jahr 1988 erreicht.

Die Stadt verzeichnete damals 95.000 Einwohner. Seit diesem Jahr gibt es einen fallenden Trend hinsichtlich der Bevölkerungsentwicklung: Bis Ende 2013 verlor die Stadt etwa ein Viertel ihrer Einwohner, bedingt durch Abwanderung und einen Rückgang der Geburtenrate.

Politik

Die Stadt Brandenburg wird seit dem 2. März 2018 von Steffen Scheller als Oberbürgermeister geführt. Das CDU-Parteimitglied führte bereits nach dem Ausscheiden der vorherigen Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann die Stadt. Das Wahlergebnis am 28. Februar sprach Steffen Scheller 66,6% der Stimmen zu.

Die Amtsperiode beträgt 8 Jahre. Steffen Scheller ist zudem Mitglied in der Stadtverordnetenversammlung. Im Jahr 2014, bei der Kommunalwahl vom 25. Mai, erhielt die CDU im Vergleich zur Kommunalwahl 2008 ein Stimmenplus von 7,1%. Ein weiterer Gewinner war mit 5,8% die AfD und mit 2,8% die Grünen. Alle anderen Parteien haben Stimmen verloren.

Wappen der Stadt Brandenburg an der Havel

Das Wappen der Stadt variierte über die Zeit, wobei im Jahr 1990 das historische Stadtwappen wiedergewählt wurde. Die offizielle Genehmigung für die Änderung wurde 1995 erteilt. Das Wappen zeigt die beiden Wappen von Altstadt und Neustadt. Es handelt sich daher um ein sogenanntes Doppelwappen. Davor, in den Jahren 1950 bis 1990, hatte die Stadt ein dieselbe vereinfacht mit einer Stadtsilhouette darstellendes Stadtwappen. Es zeigt zwei Paare roter Schornsteine mit schwarzem Rauch und blau-weiß-grünem Schildfuß.

Partnerschaft mit anderen Städten

Bandenburg an der Havel pflegt aktuell 4 Städtepartnerschaften, jede davon mit einer Stadt in einem anderen Land: In Deutschland ist die Partnerstadt die Stadt Kaiserslautern. Die Partnerschaft besteht seit dem Jahr 1988. Noch jünger ist die Partnerschaft mit der russischen Stadt Magnitogorsk (1989). Erst seit kurzem, seit dem Jahr 2017, besteht die Partnerschaft mit der norwegischen Stadt Ballerup Kommune. Die vierte und älteste Partnerschaft besteht mit der französischen Stadt Ivry-sur-Seine seit dem Jahr 1963.